George Washington
General, Präsident und Whiskeybrenner

Erster US-Präsident und
Whiskey Produzent
Wachsfigurenausstellung in Mt. Vernon
George Washington war vermutlich bislang
der wichtigste Amerikaner in der Geschichte seines Landes. Er wurde als Sohn
eines Kolonialfarmers geboren und diente später als Offizier in der englischen
Armee in den amerikanischen Kolonien an der Ostküste. Mit der Proklamation der
Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten wechselte er zu den Rebellen und setzte
mit militärischen Mitteln als Oberbefehlshaber der Continental Army die
Unabhängigkeit der USA im Befreiungskrieg von 1775 bis 1783 durch.
George Washington wurde 1732 als Sohn
eines einfachen Farmers auf einer Plantation (Gutshof, Farm) am Potomac River geboren. Das Leben war damals hart,
die Holzhäuser bestanden meist aus wenigen Zimmern, und die Farmer mussten einen
nicht unerheblichen Anteil ihres kargen Einkommens als Steuern an die britische
Krone zollen. George Washington starb 1799 nur zwei Jahre nach dem Ende seiner zweiten Präsidentschaft als
wohlhabender Mann.
Während die Spanier in Mittelamerika die
Goldschätze 'hoben', konnten die Briten in Virginia an der Chesapeake Bay kaum
zum Reichtum des britischen Empire beitragen. Erst mit dem Anbau von Tabak und
der fassweisen Verschiffung der Blätter nach Europa konnte ein spärlicher
Wohlstand in den jungen Kolonien entstehen.

Wiedererrichtete Getreidemühle George
Washingtons
Heute würden wir George Washington als
innovativen Unternehmer bezeichnen. Seine Plantation entwickelte sich - nicht
ohne die wichtige Mitwirkung von rund 300 afrikanischen Sklaven - zu einer gut
sprudelnden Einkommensquelle. Mit diesen Erträgen finanzierte er weitere
Geschäftsideen.
Eine dieser Unternehmungen war der Bau einer Getreidemühle, in der die
Getreideproduktion eines ganzen Landkreises gemahlen wurde. Die Getreidemühle
wurde mit Wasser betrieben und war bis auf die Mahlsteine nahezu vollständig aus
Holz gefertigt.

Getreidemühle
mit Wasserzufluss, Wasserrad und Mühlsteinen
Zwei Paare von Mühlsteinen
waren vorhanden. Die einen wurden ausschließlich für die Herstellung von
Maismehl versendet. Die anderen dienten zum Mahlen jeglichen anderen
Getreidesorten.


Hölzernes Getriebe
der Getreidemühle
Die einzelnen Elemente der
Mühle kann man sich in diesen vier Videos in Bewegung ansehen.
muehle1.wmv,
muehle2.wmv, muehle3.wmv,
muehle4.wmv

Modell der Getreidemühle
(Museum Mt. Vernon)
Die Winter waren hart im jungen
Bundesstaat Virginia und so mussten die Farmer sehen, wie sie mit ihren Vorräten
über den Winter kamen. George Washington nutzte die Gunst der Stunde und
errichtete neben der Getreidemühle eine Whiskeybrennerei, mit dessen Hilfe Korn
in haltbaren Whiskey gebrannt werden konnte. Doch nicht nur die Haltbarkeit war
dem späteren Präsidenten wichtig. Mit Hilfe des Brennens konnte man eine weitaus
höhere Wertschöpfung aus den Mühlenabgaben der Bauern erzielen.

Whiskeybrennerei mit
Kühlwasserzulauf (im Vordergrund)
Jeder Müller und so auch George
Washington, musste laut Gesetz das Getreide der Bauern mahlen. Der junge Staat
war noch klein und nur knapp autark. Auch die für das Mahlen zu bezahlende
Abgabe war geregelt. Rund 15 bis 20% des anfallenden Mehls durfte der Müller für
seine Arbeitsleistung behalten. Statt dieses Mehl an den Meistbietenden zu
verkaufen errichtete George Washington 1797 bis 1798 eine der größten
Whiskeybrennerei der damaligen Zeit mit fünf kupfernen Brennblasen, mit denen
11.000 Gallonen (ca. 40.000 Liter) Rohwhiskey über 12 Monate jedes Jahr
produziert wurden.

Drei der fünf Brennblasen
mit Holzfeuerung, Kupferaufsatz
und Holzfass mit enthaltener Kupferspirale

Kupferspirale (worm) im
Holzfass
Im Vergleich dazu waren die meisten
anderen Brennereien sehr klein und produzierten oft nur während eines Monats
im Jahr kaum mehr als 100 Gallonen.

Brennblase mit
Holzfeuerung, Kamin (hinten links) und
Kühlwasserzufuhr vom Kühlwasserzufluss (hinten oben)
Schon um 1610 wurde in Virginia gebrannt.
Allerdings brannte man Melasse zu Rum, die aus der Karibik per Schiff in die
britischen Kolonien gebracht wurde. Die Familie der Roosevelts (die zwei
Präsidenten später stellten) kamen so zu frühem Reichtum. Zum Ende des 18. Jahrhunderts lief in jeder
größeren Stadt der Kolonien eine Rumbrennerei. Der Umstieg vom britischen Rum
auf amerikanischen Whiskey in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatte zum
Einen etwas mit dem neu erwachten
Nationalstolz, aber vor allem mit den geringeren Produktionskosten zu tun. George Washington
gehörte mit zu Denen, die diese Zusammenhänge realisierten und umsetzten.

Holzfeuerung
der Brennblasen und
Stillage Hahn
George Washington erkannte nicht nur den
Wert des Korns für die heimische Spirituosenindustrie. Er erkannte auch den
Wert, den eine Alkoholsteuer auf Whiskey für den Staat darstellt. 1791 wurde
während seiner Präsidentschaft im Kongress ein Gesetz verabschiedet, das die
Einführung einer Alkoholsteuer zum Inhalt hatte. Der junge Staat war dringend
auf dieses Geld zur Tilgung seiner Schulden aus dem Unabhängigkeitskrieg
angewiesen.

Quelle mit handbetriebener
Pumpe
und Wasserlauf zum Maischen

Hölzerner Wasserlauf von der Pumpe
zur Maischewanne (im Hintergrund)

Elektrisch beheizte
Maischewanne
Irgendwann verschwand diese Brennerei in
der Geschichte und die Grundmauern wurden erst Anfang der 30er Jahre des 20.
Jahrhunderts wieder entdeckt. Dumm gelaufen! Zu dieser Zeit herrschte die
Prohibition (Alkoholverbot) und so hatte niemand wirklich Interesse daran, diese
Brennerei wieder zu restaurieren und sie geriet erneut in Vergessenheit bis ...
... bis alle heutigen amerikanischen
Whiskeybrenner 2003 beschlossen, die Brennerei nach alten Angaben wieder zu
errichten. Das war nicht einfach, denn es existierte in der westlichen Welt keine Whiskeybrennerei aus dem 18. Jahrhundert mehr. Es war eine große Aufgabe,
die im März 2007 ihren vorläufigen Abschluss mit dem Brand des ersten White Dogs
(Rohwhiskeys) auf der neuen Anlage fand.
Bourbon muss für mindestens 2 Jahre in
Eichenfässern reifen. Wie der neue Whiskey 2009 schmecken wird? Lassen wir uns
überraschen. Leider werden in der Brennerei pro Jahr nur wenige Fässer befüllt,
da die Gewerbeaufsicht nur ein
gleichzeitiges Feuer in der Brennerei erlaubt. Ob einzelne Flaschen den Weg nach
Europa finden werden?
Zweifel sind durchaus angebracht, denn das
von Millionen an Menschen jährlich besuchte Mansion (Herrenhaus) von George
Washington in Mt. Vernon wird den Whiskey aus der eigenen Brennerei an seine
Besucher verkaufen. Ein Besuch ist dort und an seinem nicht weit entfernten
Geburtsort empfehlenswert. Seine Whiskey Distillery ist die einzige
funktionsfähige Anlage aus dem 18. Jahrhundert in der westlichen Welt.

George Washington
Herrenhaus
in Mount Vernon
Lesen Sie bitte in Ergänzung die
Geschichte des amerikanischen
Whiskeys.
|